
Regelmäßig werden Hörsäle besetzt, Seminarräume von improvisierten Kochecken blockiert und Lehrveranstaltungen durch kollektives Fernbleiben undurchführbar gemacht. Für viele Studierende ist dies ein Zustand, der mit Verbesserung nichts zu tun hat - insbesondere wenn die Proteste nicht friedlich sind, sondern in ihrer Durchführung auch Personen und Gebäude beschädigt werden. Sich für die Bildung einzusetzen, darf nicht bedeuten, Universitätsabläufe zu stören und Studierende am Lernen zu hindern, geschweige denn gewaltsam zu randalieren.
Der jährlich wiederkehrende Bildungsstreik führt bei den Adressaten mittlerweile höchstens zu einem verächtlichen Blick. Zu undifferenziert, zu polemisch, zu realitätsfern die Forderungen der Protestierenden und der Organisatoren. Es ist viel mehr Gesellschafts- als Bildungskritik. Auf diese Weise ist Hochschulpolitik nicht zu machen. Für Krawall und Remmidemmi gibt es kurzfristig Aufmerksamkeit, aber langfristig keine ernsthaften Verbesserungen. Zugleich bleiben viele Plätze der Studierenden in hochschulinternen Gremien unbesetzt, während die wenigen konstruktiv Engagierten mehrere Aufgaben zugleich ausführen. Viele Studierendenvertretungen arbeiten destruktiv, statt sich pragmatisch an den realen Problemen der Studierenden zu orientieren.
Die Wahlbeteiligung für studentische Gremien an Hochschulen liegt nicht selten im einstelligen Prozentbereich. Um effektiv die Hochschulpolitik zu verändern und nachhaltig zu gestalten, ist es wichtig, sie mitzugestalten und sich einzubringen. Es bedarf einer konstruktiven und professionellen Gremienarbeit von Seiten der Studierendenschaft. Zugleich muss jedem Studierenden und besonders den Neustudierenden klar gemacht werden, dass hochschulpolitisches Engagement einen wichtigen Beitrag zur Hochschulentwicklung leisten kann. Daher muss es stark gefördert und mehr in den Fokus der Entscheidungsträger gerückt werden. Einst haben sich die Streikenden zusammengetan, um gegen die Bologna-Reformen zu protestieren und Probleme anzusprechen. Eine Reihe von hochschulpolitischen Problemen, die beim Bildungsstreik thematisiert werden, ist offensichtlich: Beispielsweise die vielerorts schlechte Betreuungssituation oder die intransparente Praxis der Masterplatzvergabe. Viele Forderungen, wie z. B. eine finanzielle Grundausstattung für ein wirtschaftsunabhängiges Bildungswesen oder das Unterlassen von Repressalien gegen Streikende, haben mit dem Studienalltag nichts mehr zu tun. Gleichzeitig sind die von den Organisatoren angewandten Methoden der Umsetzung nicht zielführend. Durch besetzte Hörsäle und ausgefallene Lehrveranstaltungen kann weder die Studienreform vorangebracht werden, noch die Konzeption von neuen Studiengängen, bzw. die Verbesserung bereits eingerichteter unterstützt werden. Um hier gegenteilige Akzente zu setzen, darf niemand in seinem Elfenbeinturm verschwinden - stattdessen ist eine effektive und dauerhafte Zusammenarbeit mit den Professoren, Dozenten und der Hochschulleitung nötig. Dazu müssen die studentischen Aktivitäten durch die Studierendenvertretungen in den Hochschulen und nicht auf der Straße koordiniert werden. Es ist unumgänglich, Fehler und Verbesserungsvorschläge im Dialog anzusprechen. Erpressungsversuche, wie es die Bildungsstreikenden proben, stoßen bei ihren Kommilitonen und den Hochschulleitungen höchstens auf Kopfschütteln.
Der Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen ruft daher alle Unterstützerinnen und Unterstützer dazu auf, sich konstruktiv an den Prozessen innerhalb der Hochschulen zu beteiligen und Berufsdemonstranten sowie ideologisch verklärten Studierenden die rote Karte zu zeigen.












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